Ob es für eine Sängerin mit Karriereambitionen eine Bürde bedeutet, ausgerechnet mit Bruce Springsteen verheiratet zu sein, oder ob dies Wege öffnet, sei dahingestellt. Patti Scialfas neue CD, mit elf Jahren Abstand ihrem Erstling "Rumble Doll" folgend, ist trotz naheliegender Befürchtungen kein verkapptes Werk des "Bosses" himself...
Patti
Scialfa - "23rd Street Lullaby"
Zugegeben, Springsteen ist hier bei zwei Stücken persönlich mit von der Partie (bei "Rose" ungewöhnlicherweise jedoch an der Orgel!), ebenso Musiker aus seiner E-Street Band. Überwiegend finden sich hier jedoch Musiker aus Scialfas Vor-Springsteen-Zeit, so dass die Aufnahme sich zwar wie erwartet arrangementmäßiger Üppigkeit erfreut, stilistisch aber eigene Wege geht.
Im Mittelpunkt steht Patti Scialfas charaktervolle Stimme, die weitaus mehr zu bieten hat, als ihr Backgroundjob normalerweise fordert kehlig gebrochen beim Titelstück "23rd Street Lullaby" bis smooth rockend wie bei "City Boys". Für das Quäntchen akustischen Überraschungsmoment sorgt Marc Ribot, der hier allerhand Gitarrentricks beisteuert, sowie die Produktion von Steve Jordan, der vielschichtig arrangiert, ohne den Sound zu verbauen: Sehr hörbar.
Eine schöne Platte, auf der es allerhand musikalische Details zu entdecken gibt durchaus kompatibel zum Mainstream, qualitativ jedoch weit über der durchschnittlichen Massenware.
Frank Bongers
CD: Patti Scialfa - "23rd Street Lullaby" (Columbia/Sony 90371)
Patti Scialfa im Internet: www.pattiscialfa.net
Sony Music im Internet: www.sonymusic.com
Cover: n.n.