Molly Johnson hat sich von der Putzfrau in einem kanadischen Jazz-Club zu einer arrivierten Jazz-Diva entwickelt, die Vergleiche mit Billie Holiday zwar nicht mehr hören mag, sich aber dennoch Ähnlichkeiten mit der "grande dame" des Jazz gefallen lassen muss.
Molly
Johnson - "If You Know Love"
Molly Johnsons ernster Gesichtsausdruck, ihre traurigen, dunklen Augen und ihre hohen Backenknochen lassen an die Titelgeschichte der kanadischen "National Post" erinnern, die einst in einem Artikel über Johnson von einer "Journey To Jazz Hell And Back" sprach. Wenn auch nicht immer alles perfekt im Leben der Kanadierin gelaufen ist, so legt sie mit ihrem neuen Album gehörigen Positivismus zutage und eröffnet swingend und an Macy Gray erinnernd mit "If You Know Love" ihre gleich benannte CD. "Ich wollte ein glückliches Album machen, ich hatte einfach genug von traurigen Liedern", so Johnson. Das kann man direkt hören, insbesondere im ebenso swingenden cover von Cole Porters "Let's Do It" und den an sich jazzigen Titeln "Tonight" und "But Not For Me".
Johnson schlägt aber auch andere Töne auf dieser CD an: mal soulig mit Craig Ross, dem Gitarristen von Lenny Kravitz in "Rain", dann wieder funkig-poppig mit "Northern Star" oder etwas langweilig mit einem Cover von Springsteens "Streets Of Philadelphia". Natürlich ist es bemerkenswert, wie wandelfähig ihre Stimme ist, und auch wenn sie davon spricht, dass "alle Songs auf dieser CD ihre Babies" sind, so wäre eine Besinnung auf eine kleinere Familie durchaus wohltuend gewesen.
Dennoch, ein sehr gutes Album allemal, das wahre Jazz-Freunde durchaus bedient, aber auch bei Freunden von konventionellerer Kost punkten kann.
Christian Salentinig
CD: Molly Johnson - "If You Know Love" (Emarcy / Universal 06025 1709099)
Molly Johnson im Internet: www.mollyjohnson.com
Universal Records im Internet: www.universal-music.de
Cover: n.n.