Torben Waldorffs erster Ausflug auf dem aufstrebenden Online-Label Artist Share, das u.a. auch Jim Hall oder Danilo Perez beherbergt, ist ein Gelungener. Die nur fünf Stücke, jeweils zwischen sechs und zwölf Minuten lang, geben sich ohne wirkliche Unterbrechung die Klinke in die Hand und erinnern in den ruhigeren Momenten an Eric Claptons entspannte Songstrukturen.
Torben
Waldorff Quartet - "Brilliance"
Der Opener "Alice" beginnt auch sogleich in genau diesem Gewand und gewinnt kontinuierlich an Dynamik. Die fünf Tracks sind von Waldorff selbst verfasst, lediglich "Seen From Above" ist vom Saxophonisten des Quartets, Donny McCaslin, geschrieben. Selbiger ist neben Waldorff selbst wohl die dominanteste Klangfarbe des Quartetts. Sein Spiel geleitet uns bis zum letzten Stück "Jeep" mal wohlig warm, mal aufschreiend, aber nie unkontrolliert. Am Ende schließt sich der Reigen wunderbar melodisch und sanftmütig.
Warum das Projekt jedoch den Beinamen "Live at 55 Bar NYC" trägt, bleibt eher unverständlich, denn die CD klingt eindeutig nach Studioprojekt: Für eine klassische Live-Aufnahme fehlen einfach die üblichen Publikumresonanzen, auch wenn es die skandinavisch-amerikanischen Band auszeichnet, derart rund performen zu können.
Das tut dem Erfolg von "Brilliance - Live at 55 Bar NYC" allerdings keinen Abbruch. Denn der "Brilliance"-Teil im Titel bringt es herrlich rund auf den Punkt. Auf der Artist Share-Homepage finden sich passende Videos, weitere Mitschnitte und jede Menge Infos über das Torben Waldorff Quartet. Das Album kann dort ebenfalls als MP3 herunter geladen werden.
Michael Arens
CD: Torben Waldorff Quartet - "Brilliance" (Konnex Records/Jazz-Network.com)
Torben Waldorff Quartet im Internet: www.waldorff.com
Artist Share im Internet: www.artistshare.com
Cover: Ninja Agborn