Thelonious Monk ist eine der faszinierendsten Figuren der Jazz-Geschichte: ein genialischer Freigeist am Klavier, ein weltentrückter und orientierungsloser Zeitgenosse im Alltäglichen. Beide Umstände spiegeln sich in seinen einzigartigen Kompositionen wider.
Tony
Kofi Quartet - "Plays Monk"
Sich heute der Musik des 1982 verstorbenen Pianisten zu nähern, ohne diese zu bagatellisieren oder in Kopie-Versuchen zu erstarren, ist eine hohe Kunst. Dem britischen Saxofonisten und Donald Byrd-Schüler Tony Kofi und seinem Quartett ist jedoch genau dies geglückt.
Der schwerste Part kommt dabei ohne Zweifel dem Pianisten Jonathan Gee zu. Seinem Spiel hört man das intensive Monk-Studium auch besonders an. Ein Studium, das bei den vier Musikern vor zwei Jahren zur kreativen Manie wurde: Als Mitglieder der "Monk Liberation Front" nahmen Kofi, Gee, Kontrabassist Ben Hazleton und Schlagzeuger Winston Clifford 2003 an der legendär gewordenen sechsstündigen Session beim Londoner Jazzfestival teil, die schließlich in der Darbietung aller Kompositionen (über 70 !), die Monk jemals ausnotiert hatte, endete.
Auf "Plays Monk" hat sich das Quartett aus diesem Repertoire größtenteils eher unbekanntere Stücke wie den Opener "Boo Boo's Birthday" herausgepickt, die jedoch exemplarisch alle Monk-Eigenheiten aufweisen allen voran die reduktionistischen Melodienführungen, die in ihrer Sperrigkeit eine ganz eigene Eleganz entfalten.
Tony Kofi und seine Mitstreiter beweisen ein enormes Gespür für diese elegante Sperrigkeit. Ihr Monk klingt "echt" und modern zugleich. Er war der BBC den diesjährigen Jazz Award wert. Mit Recht!
Johannes Kloth
CD: Tony Kofi Quartet - "Plays Monk"
(Proper Records/Specific Jazz SPEC001)
Tony Kofi im Internet: www.tonykofi.com
Proper Records im Internet: www.propermusic.com
Cover: n.n.