Wer Boulder, Colorado bisher nicht auf der Funk-Landkarte hatte, bekommt spätestens jetzt die Gelegenheit, umzudenken. Ohne Vorurteile schüren zu wollen, aus dieser Region hätte man alles mögliche andere erwartet, als solch brodelnde, jazzrockige Musik. Vorbei mit der bräsigen Ruhe: Hier sind "The Motet".
The
Motet - "Music for Life"
Die CD überschüttet den Hörer unter großzügiger Ausnutzung der Laufzeit mit ausufernden Instrumentalimprovisationen: Jazzrock, gelegentlich an Spyro Gyra erinnernd (obwohl nie so glatt), völlig lustbetont und ohne kommerzielles Kalkül gespielt. Und genauso kann er gehört werden, mit Spaß und Freude an musikalischen Überraschungen dass einzelne Stücke locker die Zehnminutengrenze durchbrechen, stört dabei nicht weiter: diese Truppe verfolgt klar das Prinzip "Darf's noch etwas mehr sein?"
Die Leitung der Band und auch der Löwenanteil der kompositorischen Arbeit geht auf das Konto ihres Drummers, Dave Watts. Rhythmisch und stilistisch vielfältig präsentiert sich die Musik; mit unverzerrten, funky Gitarren, einem agilen Bass sowie Hammond und Rhodes-Sounds meist eher retro-orientiert, dafür aber vielschichtig und variabel aufgebaut. Hervorzuheben ist die Bläserarbeit von Tenorsaxophonist Dominic Lalli und, als Gastmusiker am Altosax, Jon Stewart: Hymnenhafte Linien bis hin zu klassischen Afrobeat-Harmonien setzen allerorten das Sahnehäubchen auf die kochende Melange.
Diese Platte ist fett. Voller instrumentaler Kabinettstückchen, wobei keiner der, allesamt hervorragenden, Musiker sich unangenehm in den Vordergrund drängen würde. Gesang und Text könnten das Konzept auflockern wird man am Tanzen gehindert, weist die, ansonsten aufregende, CD plötzlich Längen auf. Aber sei's drum: Diese Band wenigstens steht von ganzem Herzen hinter ihrer Musik. Und das hört man.
Frank Bongers
CD: The Motet - "Music for Life" (Harmonized Records HAR-017)
The Motet im Internet: www.themotets.net
Harmonized Records im Internet: www.harmonizedrecords.com
Cover: James Marshello