Eine neue CD von Marcus Miller bedeutet meist eine Verschiebung der Grenze des auf dem Bass als technisch spielbar Anerkannten. So auch "Silver Rain". Und wieder werden Bassisten rund um den Globus überlegen, ob es angesicht Millers nicht an der Zeit ist, aufzugeben und ihr Instrument der Kreissäge zu überantworten...
Marcus
Miller - "Silver Rain"
Bereits das erste Stück "Intro Duction" zeigt mit einem geslappten Kabinettstückchen auf dem Bass, wo der Funkhammer hängt. Ähnliche Szenen spielen sich bei den folgenden Titeln ab, wobei man Miller nicht unterstellen braucht, er würde sich mit Hilfe weniger versierter dienstbarer Geister in den Vordergrund bugsieren: Namen wie Eartha Kitt, Poogie Bell, Dean Brown, Kenny Garret ersticken diese Vermutung im Keim. Aber auch die restlichen, vergleichsweise unbekannten Musiker bekommen Gelegenheit, ihre Klasse zu beweisen.
Wer auf technisch ausgefuchsten Jazzrock und im Grenzbereich betriebene Bässe steht, wird bei "Silver Rain" bestens bedient. Interessant: Nur wenige der Stücke stammen aus Millers Feder als Komponisten finden sich Prince, Stevie Wonder, Hendrix und ja wirklich! Beethoven. Tanzbar und nach vorne gehend, ist die Musik durchaus partytauglich. Leider wirkt Millers sehr herausgestelltes Virtuosentum an einigen Stellen aufdringlich; seine Beweggründe hierfür erläutert er aber recht unterhaltsam in den Linernotes, wo man zu jedem Stück die ein oder andere Anekdote findet.
Die neidische Konkurrenz mag hoffen, dass Miller beim vorgelegten Tempo seinen Lebensvorrat an Basstönen irgendwann erschöpft hat und verstummt. Nur wird er, ganz Mulitiinstrumentalist, dann wohl den Saxophonisten das Fürchten lehren. Oder den Keyboardern. Oder...
Frank Bongers
CD: Marcus Miller - "Silver Rain" (3 Deuces/Dreyfus FDM 36673-2)
Marcus Miller im Internet: www.marcusmiller.com
Dreyfus Records im Internet: www.disquesdreyfus.com
Cover: Jack Frisch