Der Titel ihrer zweiten Act-Einspielung, in der die Ausnahme-Schlagzeugerin Terri Lyne Carrington als Headliner fungiert, lässt es schon erahnen: "Structure" - das kann auch bedeuten: Beschreibung einer Form, Suche nach einer Form, experimentieren mit Form. Adressat bei diesem Ansatz ist meist der Intellekt, gefordert ist die Rationalität, also mehr die rechte Gehirnhälfte.
Terri
Lyne Carrington - "Structure"
Für dieses intellektuelle Experiment, musikalisch einzuordnen als Weiterentwicklung der komplexen, verschachtelten M-Base-"Structure", hat Terri sich die dafür am besten geeigneten Jazzgrößen zusammengetrommelt: Den alten M-Base-Veteranen und einen ihrer langjährigen Freunde Greg Osby am Saxophon, den großen Bassisten Jimmy Haslip und den zur jüngeren Jazzavantgarde zählenden Gitarristen Adam Rogers. Jeder für sich allein ein großartiger Musiker, eine starke Persönlichkeit.
Die vier sind in ihrem hier gezeigten Zusammenspiel nicht minder ausdrucksstark und virtuos ... wäre da nicht die etwas zu ausgeprägte Hinwendung zur rechten Gehirnhälfte: Alle Eigenkompositionen, vier von Terri Lyne Carrington, zwei von Greg Osby, zwei von Adam Rogers und zwei von Jimmy Haslip zeigen deren Ausnahmekönnen, sowohl als Solisten als auch als Komponisten. Doch es scheint etwas zu fehlen, als ob die Faszination für die Virtuosität des Spiels auf den Kopf beschränkt bleibt, atmosphärisch eine innere Mauer zwischen Intellekt und Bauch bestehen bleibt.
Das Gehörte beeindruckt, aber es berührt nicht, leider. Da kann auch die von Terri gesungene Version des Joni Mitchell-Songs "Ethiopa" nichts mehr ändern, obwohl dort noch am ehesten das Bemühen nach Berührung erkennbar wird.
Katja Duregger
CD: Terri Lyne Carrington - "Structure" (ACT 9427-2)
Terri Lyne Carrington im Internet: www.terrilynecarrington.com
Act Music im Internet: www.actmusic.com
Cover: n.n.