Seit über 28 Jahren lebt der Saxophonist Eduardo Kohan bereits in der Schweiz, wo er zusammen mit seinem "Cuarteto" auch sein aktuelles Album aufgenommen hat. Dieses nennt sich "Klaro" und besticht vor allem durch eines: musikalische Vielseitigkeit.
Eduardo
Kohan Cuarteto - "Klaro"
Als Komponist von Film- und Theatermusik hat sich der gebürtige Argentinier bereits einen Namen gemacht. Und obwohl sein neues Album mit Filmmusik eigentlich nichts zu tun hat, würde diese Genrebezeichnung gar nicht mal so schlecht passen. Denn mit dieser Platte ist Eduardo Kohan ein außergewöhnlich stimmungsvoller Kopfkino-Soundtrack gelungen.
Beim Zuhören Assoziationen zu wecken, Bilder im Kopf entstehen zu lassen das schafft Kohan zusammen mit den ausgezeichneten Instrumentalisten Jean Ferrarini (p), Christian Kleiner (b) und Laurent Wyler (dr) problemlos. Wer die düstere Fin-De-Siècle-Stimmung der Vertonung eines Leopold Lugones-Gedichts hinter sich gelassen hat, den erwarten in erster Linie Eigenkompositionen des 55-Jährigen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: melodiös-verträumt ("Petite Mélodie"), experimentell mit schrägen Free-Jazz-Klängen ("C'est assez") oder funky wie "Mister F".
"Klaro" ist eine spannende Reise durch die Spielarten akustischer Jazzmusik. Und wenn im sanften 3/4-Takt die Melodica erklingt, eröffnet sich noch eine ganz andere Welt des Eduardo Kohan: der argentinische Tango eine melancholische Reminiszenz an die Heimat.
Johannes Kloth
CD: Eduardo Kohan Cuarteto - "Klaro" (Altrisuoni AS150)
Altrisuoni im Internet: www.altrisuoni.com
Cover: Crealis, Geneve