Böhm-Halle-Sell - "try to org"
Auch wenn der Begriff "innovativ" in Bezug auf Musik mittlerweile so inflationär verwendet wird, dass er häufig wenig mehr als eine leere Worthülse darstellt im Zusammenhang mit dem Debut-Album des jungen Trios "Böhm-Halle-Sell" kommt man um dieses Attribut einfach nicht herum.
Böhm-Halle-Sell
- "try to org"
"try to org" ist eine Platte, die richtig frischen Wind in die deutsche Jazzlandschaft bläst. Dass sich Produzenten von elektronischer Minimal-Music am Jazz versuchen, kam in letzter Zeit häufiger vor und endete oft genug mit eher durchwachsenen Ergebnissen. Wer gut mit dem Computer umgehen kann, muss eben noch lange nicht Ahnung von Musik haben. Der umgekehrte Ansatz von der akustischen Jazzmusik kommend mit Clicks'n'Cuts zu experimentieren findet sich dagegen seltener. Rainer Böhm, ehemaliger Pianist des Bundesjugendjazzorchesters unter Peter Herbolzheimer, der norwegische Trompeter Gunnar Halle und Rainer Sell (mit 31 Jahren der älteste der Truppe!) an laptop und treatments, haben diesen Weg gewählt und überzeugen dabei auf ganzer Linie.
Die acht Kompositionen auf "try to org" sind ausgefeilt und intelligent. Es blubbert, klickt und klackt ganz im Stile eines Matthew Herbert, doch nicht und darin liegt die Qualität des Albums nichtssagend, irgendwo im musikalischen Vakuum, sondern auf der Basis eines hörbaren Verständnisses für die Strukturen und Ausdrucksweisen des Jazz. Mit ihrer wegweisenden Aufnahme beweisen "Böhm-Halle-Sell", dass der junge deutsche Jazz nicht bei Mainstream-Ikonen wie Till Brönner und Joy Denalane endet. Ein Dank an dieses großartige Trio!
Johannes Kloth
CD: Böhm-Halle-Sell - "try to org" (Jazzcuisine Rec.)
Jazzcuisine Recordings im Internet: www.jazzcuisine.de
Cover: N.N.