Bél Etage, Spielbank Saarbrücken, 18. 3.04
Geboren wurde der Saxophonist Toufic Farroukh im Libanon. Seit 1984 lebt
er jedoch bereits in Frankreich. Vor vollem Haus bestritt er nun zusammen
mit seinem "Absolut Orkestra" in der "Bel Etage" der Saarbrücker Spielbank
eine Deutschlandpremiere, die es in sich hatte.
Toufic
Farroukh
"Vorsicht Jazz-Party: keine Sitzplätze" las man zuvor im Programmheft zu diesem außergewöhnlichen Konzert. Knappe zwei Stunden später war klar, warum dies dort vermerkt worden war: selten zuvor konnte man in der Bel Etage ein dermaßen groove-lastiges Jazzkonzert erleben - eines, das geradezu zum Abtanzen einlud.
Die Musik von Toufic Farroukh stilistisch zu verorten, ist eigentlich unmöglich. Wollte man es sich leicht machen, könnte man sagen: eine Verbindung von traditionellen orientalischen Einflüssen mit zeitgenössischer westlicher Musik. Und doch träfe eine solche Beschreibung beispielsweise auch auf die Musik von Cheb Mami zu - und mit der hatte das, was Farroukh und sein Absolut Orkestra an diesem Abend boten, kaum etwas gemein. Harmonisch in Jazz, Rock und Funk verwurzelt, verband die neunköpfige Truppe in ihren Improvisationen vertraute Jazz-Tonfolgen mit exotisch-fremdartigen Arabesken.
Farroukh selbst präsentierte sich als beeindruckender Solist, dessen Spiel eher in afro-amerikanischer Jazztradition zu stehen schien - ebenso wie das der hervorragenden Instrumentalisten Daniel Casimir (tb), Michael Felberbaum (e-g) und Léandro Aconcha (p/synth). Vor allem Nabil Khalidi an der Oud und Joshua Levitt (flute) betonten eher die arabischen Einflüsse. Etienne Brachet (dr), Charles Sidoun (perc) und insbesondere Jean Wellers mit seinem ungeheuer kraftvollen Kontrabass-Spiel sorgten schließlich für eine verblüffend stimmige Synthese aus den verschiedensten orientalischen und okzidentalischen Rhythmen.
Und so fiel es nicht schwer, sich bei geschlossenen Augen mal in einer Kamel-Karawane mitten in der sengenden Hitze der afrikanischen Wüste zu wähnen, während man im nächsten Augenblick schon die Enge eines Londoner Drum'n'Bass-Clubs zu verspüren schien.
Johannes Kloth
Foto: Pressefoto